390 Plätze, PFAS im Boden und Zoff um die Sicherheit
Am vergangenen Wochenende wurde das Bundesasylzentrum eingeweiht. Mit dabei: Regierungsrat Christof Hartmann und Bundesrat Beat Jans.
Am vergangenen Wochenende wurde das Bundesasylzentrum eingeweiht. Mit dabei: Regierungsrat Christof Hartmann und Bundesrat Beat Jans.
Altstätten Am Samstag, 15. August, war es so weit: Die Bevölkerung durfte einen Blick ins neue Bundesasylzentrum im Hädler in Altstätten werfen. Zur Eröffnung am Vormittag waren unter anderem verschiedene Vertreter der Politik, regionaler Institutionen und des Staatssekretariats für Migration vor Ort. Während des Rundgangs durch den 47 Millionen Franken teuren Neubau, in dem man vor allem die Räumlichkeiten zur Unterbringung der maximal 390 Asylbewerbenden besichtigen konnte, hatte Bundesrat Beat Jans das Wort. Er unterstrich darin vor allem die Menschenwürde, welche jedem Menschen von Geburt an mitgegeben werde. «Wir eröffnen heute nicht nur ein Gebäude aus Holz und Glas. Wir eröffnen einen Ort, an dem die Menschenwürde greifbare Realität wird.» Er ergänzt: «Ganz Europa beneidet uns heute um unser Asylsystem, weil vieles viel gut läuft.» Jedoch müsse und wolle man besser werden, weshalb Gemeinden, Kantone und der Bund zusammen an der Asylstrategie 2027 arbeite. Er dankte Ausserdem den Kanton St. Gallen sowie Altstätten, dass sie einen Betrieb eines Asylzentrums ermögliche. Ein solches wird in Altstätten bereits seit den 90er Jahren betrieben, wie Bundesrat Jans in seiner Rede erwähnte.
In der Vergangenheit sorgten einige Vorfälle in und um das ehemalige Bundesasylzentrum in Altstätten für Schlagzeilen. So auch der Vorfall vom 24. Juni, bei dem ein 26-jähriger Afghane durch zwei andere Asylbewerber in der Nähe des Bahnhofs schwer verletzt wurde. Dieser Vorfall zog eine Einfache Anfrage im Kantonsrat durch Andreas Broger (Mitte), der in der Umgebung des Bahnhofs, an dem sich der Vorfall ereignete, wohnt. In seiner Rede nahm Regierungsrat Christof Hartmann die angespannte Lage rund um das Zentrum auf. Er fügte an, dass die Bedenken vom Menschen stammen, die in der Umgebung wohnen, zur Arbeit gehen oder deren Kinder den Schulweg in der Nähe bestreiten. Er betonte, dass ein funktionierendes Asylwesen nur dann funktioniere, wenn alle Staatsebenen ihre Funktion wahrnehmen würden. «Die Bevölkerung erwartet zu Recht, dass rund die Sicherheit und Ordnung rund um das Bundesasylzentrum gewährleistet ist. Diese Erwartung ist legitim», betont Hartmann. In der Vergangenheit habe man rund um das Bundesasylzentrum in Altstätten Situationen erlebt, die verständlicherweise Besorgnis ausgelöst hätten. Solche Vorkommnisse dürfen laut Hartmann nicht relativiert oder schöngeredet werden. «Der Kanton St. Gallen toleriert keine Zustände, welche die Sicherheit der Bevölkerung beeinträchtigen oder das Vertrauen in die staatlichen Institutionen schwäche.»
Der PFAS-belastete Boden sorgte beim Bau des neuen Bundesasylzentrums (BAZ) für Herausforderungen. Dies führte zu einer Verzögerung des Baubeginns des BAZ um rund ein Jahr. Den schwierigen Baugrund erwähnte Stadtpräsident Ruedi Mattle in seiner Ansprache: «Wer auf 'Altstätter Torf', bauen will, der braucht Pfähle, so tief wie es der Boden zulässt.» Auf solchen stehe das neue Zentrum nun.
Der Umzug ins neue Bundesasylzentrum ist bereits weit fortgeschritten. Am Montag wechselten die Betreuung und Sicherheit ihren Arbeitsplatz, und am Mittwoch wurde mit den 150 Asylbewerbern, welche sich im bestehenden Asylzentrum befanden, umgezogen.
Das Bundesasylzentrum in Altstätten bietet Platz für maximal 390 Asylbewerberinnen und Asylbewerber. Ausserdem befinden sich im Zentrum unter anderem zwei Schulräume, ein Werkraum, ein Kiosk, Krankenzimmer und Behandlungsräume sowie mehrere Mehrzweckräume. Auch können die Asylbewerbenden auf dem Spielplatz, dem Innenhof oder im Esssaal verweilen.
Die Verwaltung des Staatssekretariats für Migration (SEM) beschäftigt selbst rund 110 Mitarbeitende vor Ort. Weitere rund 60 Beauftragte sind für Sicherheit, Verpflegung, Betreuung, Schulbetrieb und Gebäudeunterhalt zuständig. Für den Rechtsschutz kommen rund 50 weitere Beauftragte hinzu. Insgesamt ergibt dies rund 220 Arbeitsplätze.
Von Manuela Müller
Lade Fotos..