Japan und die Ostschweiz im Manga vereint
Aus der Feder – respektive dem Tuschestift – von Morten Widrig entsteht ein Manga, das Orte im Rheintal, Appenzell und St. Gallen in japanischer Kunstform abbildet.
Aus der Feder – respektive dem Tuschestift – von Morten Widrig entsteht ein Manga, das Orte im Rheintal, Appenzell und St. Gallen in japanischer Kunstform abbildet.
Weshalb haben Sie sich in ihrem neusten Manga für die Schau-plätze Rheintal, St. Gallen und Appenzell entschieden?
Morten Widrig: Da ich im Rheintal aufgewachsen bin und somit auch die Orte selbst als Jugendlicher besucht habe, war es mir wichtig, dass das Rheintal als Schauplatz für Paulinas (Protagonistin der Geschichte) Jugend dient. In St. Gallen habe ich Sozialpädagogik studiert und ich bewege mich auch heutzutage öfters in der Stadt. Appenzell hat eine reiche und traditionsbewusste Kultur, welche sich gut mit Teilen der Geschichte des Mangas verbinden lässt und wichtig für die Handlung ist. Ausserdem sind Appenzeller Häuser ein schönes Hintergrundmotiv. Das Manga fühlt sich meiner Meinung nach wie eine kleine Reise durch die nähere Umgebung meiner Heimat an. Vielleicht werden einige Leserinnen und Leser künftige auch Mal einen Tagesausflug planen und alle Orte an einem Tag besuchen, das wäre logistisch zwar sportlich – aber möglich.
Wie lange brauchen Sie etwa, um ein Manga zu vollenden?
Das kommt auf sehr viele Faktoren an, wie viele Projekte nebenbei noch laufen, wie viele Manga- Workshops ich gebe, oder wie viele Aufträge ich habe. An den meisten meiner bisherigen Mangas habe ich zwischen einem und zwei Jahren gearbeitet. Allerdings hatten diese Mangas mehr Seiten als mein aktuelles Projekt. Für «Herbstlicht Fondue» ist die geplante Produktionszeit rund ein Jahr, so dass das Manga im Oktober im Handel erhältlich sein wird. Obwohl es ein Manga mit weniger Seiten wird, arbeite ich aufwendiger mit beispielsweise der Erstellung von Referenzfotografien, arbeite mit Rasterfolie, die von Hand aufgetragen wird, und es gibt Farbseiten, welche mit Copic Markern koloriert werden. Dadurch erhöht sich der Produktionsaufwand um einiges.
Wie kamen Sie auf die Geschichte der Näherin? Ist die Wiederent-deckung der Kreativität auch ein Teil Ihrer Geschichte?
Im Gegensatz zu Paulina habe ich mich immer in der einen oder anderen Form kreativ betätigt. Allerdings habe ich es in der Oberstufen-Schulzeit oft erlebt, dass Gleichaltrige die Freude an diversen kreativen Aktivitäten verloren haben, weil sie plötzlich «cool» oder «erwachsener» sein beziehungsweise wirken wollten. Mit dem Manga «Herbstlicht Fondue» möchte ich zeigen, was es für Konsequenzen haben kann, wenn man aufgrund von äusserem Druck anderer seine kreative Leidenschaft aufgibt.
Wann nehmen Sie sich Zeit, kreativ zu sein und am Manga zu arbeiten?
Da meine Terminpläne mittlerweile sehr voll sind, unter anderem mit Manga Workshops, ich aber auch Vater bin und ich so oft wie möglich für meine Tochter da sein will, verlagert sich die Zeit oft in die Abend- und Nachtstunden. So ein Manga Projekt wie «Herbstlicht Fondue» wäre ohne die Unterstützung von der Rheintaler Kulturstiftung und die etlichen Crowdfunding-Unterstützer auf Lokalhelden.ch (das Crowdfunding läuft noch bis Ende Mai) auch gar nicht mehr machbar.
Weshalb haben Sie sich für diese aufwendige, traditionelle Handarbeit entschieden?
Ich habe bisher immer zu einem grossen Teil auf traditionelle Handarbeit beim Zeichnen gesetzt. Was bei diesem Manga allerdings anders ist, ist, dass ich mehr Hintergründe als bisher zeichne und ich die Rasterfolien von Hand auftrage. Die Rasterfolie habe ich sonst fast immer digital eingefügt und es ist tatsächlich ein nicht zu unterschätzender Mehraufwand. Ich denke die Möglichkeiten von Rasterfolie, die von Hand aufgetragen wird, ist begrenzter und herausfordernder, was eigentlich ein negativer Punkt sein müsste. Es verleiht den Bildern meiner Meinung nach aber auch etwas besonderes und unterscheidet sich dadurch von meinen bisherigen Werken.
Anmerkung des Künstlers: Rasterfolien sind meist graue bis schwarze strukturierte Flächen, die man in den meisten Mangas sieht. Die meisten Rasterfolien werden mittlerweile digital hinzugefügt.
Von Manuela Müller
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