Elia Gsell
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Jasmin Hutter (2. von links) übergibt die Schlüsse des Gnadenhofs Eichberg feierlich an die Verantwortlichen der Tierambulanz Stiftung.
Im ehemaligen Zoo Eichberg sollen bald wieder Tiere einziehen. Die Stiftung Tierambulanz mit Sitz in Hüttikon hat das Areal erworben und möchte nun neben einem Tierweisenhaus auch Artenschutzprojekte in Eichberg aufbauen.
Eichberg Der Zoo Eichberg hat eine bewegte Geschichte. Bis zur Schliessung im Jahr 2011 konnten hier Zwergfischotter, Affen, Kängurus und ein Trampeltier aus der Nähe erlebt werden. Dann kam wegen finanzieller Schwierigkeiten das Aus. Die Tiere wurden in andere Zoos abgegeben und das ehemalige Zoo-Gelände stand erst einmal mehrere Jahre leer.
2016 übernahm die ehemalige SVP-Nationalrätin Jasmin Hutter den Zoo und führte diesen über neun Jahre als Gnadenhof für zumeist einheimische Tiere aus schlechter Haltung oder solche, die von ihren Besitzern altersbedingt abgegeben werden mussten. 2024 fand auch dieser Betrieb ein Ende. Grund dafür waren gesundheitliche Probleme von Jasmin Hutter, wodurch sie auf Unterstützung von freiwilligen Helfern angewiesen war. Diese Situation konnte auf die Dauer nicht fortgesetzt werden, weshalb sich Hutter entschloss, einen Schlussstrich zu ziehen. Anfang Jahr wurde bekannt, dass der Zoo Eichberg zum Verkauf steht. Nun wurde ein Käufer gefunden und die Meldung verkündet: Es ziehen wieder Tiere ein in den Zoo Eichberg!
«Es ist ein trauriger Moment für mich», sagte Jasmin Hutter an der gemeinsamen Medienkonferenz mit den Verantwortlichen der Tierambulanz Stiftung. Während der neun Jahre, in denen sie gemeinsam mit ihrer Familie und vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern den Gnadenhof geführt hat, sind unzählige Erinnerungen entstanden – traurige, wenn ein Tier das Ende seines Lebens erreicht hatte, aber auch schöne und lustige, etwa als ein Adler ausgebüxt war, später aber wohlbehalten in Sevelen wieder gefunden wurde.
In all den Jahren steckte Hutter viel Herzblut in den Gnadenhof. Dass dieses Kapitel mit dem Verkauf an die Tierambulanz Stiftung nun definitiv ein Ende findet, ist deshalb verständlicherweise mit etwas Wehmut verbunden. Gleichzeitig sei es für sie aber auch ein Moment der Freude, so Hutter.
Dies hat in erster Linie mit ihren Nachfolgern der Tierambulanz Stiftung zu tun, die das Areal des ehemaligen Zoos Eichberg wieder zu einer Oase für heimatlose Tiere machen wollen. «Es war meiner Familie und mir sehr wichtig, dass der Ort weiter für bedürftige Tiere genutzt wird», sagte Hutter.
Und genau das haben die Verantwortlichen der Tierambulanz Stiftung vor, wie sie an der Medienkonferenz ausführten. Stiftungsratspräsidentin Monika Ribi bekräftigte, dass man das Projekt im Sinne von Jasmin Hutter weiterführen werde. Heimatlose Tiere sollen in Eichberg ein Zuhause finden. Da die Stiftung mit Sitz in Hüttikon bereits ein Tierwaisenhaus mit bis zu 300 Tieren in Oberglatt unterhält, bringt man in diesem Bereich reichlich Erfahrung mit.
Der neu erworbene Standort in Eichberg soll aber nicht nur heimatlosen Tieren dienen, sondern auch für Artenschutzprojekte eingesetzt werden. Vom Aussterben bedrohte Tiere sollen im ehemaligen Zoo ein neues Zuhause erhalten und sich im Idealfall auch fortpflanzen. Der Nachwuchs soll danach ausgewildert werden und so zum Erhalt der Vielfalt im Tierreich beitragen.
«Zukünftige Generationen sollen Tiere nicht nur im Bilderbuch, sondern auch in der Natur erleben können», so Stiftungsrätin Monica Locher zum Ziel der geplanten Artenschutzprojekte. Welche Tiere dereinst in Eichberg zu sehen sein werden, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Bisher ist einzig beschlossen, dass ein paar Sporenschildkröten bald ins Rheintal umziehen werden. Aber auch Schmutzgeier oder die vom Aussterben bedrohten Roten Pandas könnten bald in den Gehegen des ehemaligen Zoos untergebracht werden.
Der Zeitplan ist dabei noch grösstenteils offen. Erst einmal stehen einige Renovations- und Untehaltsarbeiten an, um die Gehege für die späteren Bewohner wieder auf den neusten Stand zu bringen. Je nachdem, wie rasch diese Arbeiten voranschreiten, könnte bereits im nächsten Sommer Eröffnung gefeiert werden.
Der ehemalige Zoo Eichberg soll zwar auch der Öffentlichkeit offenstehen, einen klassischen Zoobetrieb wird es laut den neuen Besitzerinnen jedoch nicht geben. Führungen für Gruppen oder spezielle Anlässe sollen aber Einblicke ins Leben der tierischen Bewohner ermöglichen.
Finanziert werden soll der Betrieb des Artenschutzzentrums Eichberg in erster Linie durch Spenden und Sponsoren, so wie dies auch beim bestehenden Standort in Oberglatt der Fall ist. Dies, weil Tierwaisenhäuser – entgegen der weitverbreiteten Meinung – nicht auf staatliche Unterstützung zählen können, wie Monika Riebi sagte.
Auch Tierpatenschaften seien deshalb eine gute Möglichkeit, um zusätzliche Gelder zu akquirieren und damit den Tieren zu helfen. Fest steht bereits, dass am Standort Eichberg mindestens eine Tierpflegerin oder ein professioneller Tierpfleger angestellt werden soll.
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