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Stefan Kästli will der St.Margrether Bevölkerung mit seiner Kandidatur eine weitere Option bieten. z.V.g.
Kurz vor den Wahlen gab Stefan Kästli überraschend seine Kandidatur für das Gemeindepräsidium St.Margrethen bekannt. Im Interview spricht er über seine Motivation.
Stefan Kästli, was reizt Sie am Amt des Gemeindepräsidenten?
St.Margrethen ist mein Heimatdorf – ich bin hier aufgewachsen und fühle mich eng verbunden. Deshalb möchte ich Verantwortung übernehmen, Interessen moderieren und die Zukunft des Dorfes gestalten. Für mich geht es nicht nur darum zu verwalten, sondern St.Margrethen als lebenswerte und innovative Gemeinde weiterzuentwickeln.
Welche Erfahrungen aus Ihrer beruflichen Karriere bringen Sie für das Amt mit?
Ich bringe über 20 Jahre Erfahrung im Finanz- und Rechtswesen mit, zuletzt als Chief Compliance Officer in einem internationalen Umfeld. Dort habe ich gelernt, komplexe Zusammenhänge zu analysieren, Risiken abzuwägen und Verantwortung für weitreichende Entscheidungen zu übernehmen. Meine Stärke liegt darin, pragmatische Lösungen zu entwickeln und diese konsequent umzusetzen – Fähigkeiten, die auch für St. Margrethen entscheidend sind.
Wo sehen Sie Herausforderungen für St.Margrethen?
St. Margrethen steht vor drei grossen Herausforderungen. Erstens das Zusammenleben in einer vielfältigen Gemeinde. Integration heisst für mich: Die Gemeinde schafft Angebote, informiert über Regeln und erleichtert den Einstieg. Gleichzeitig erwarte ich, dass Zuzüger Respekt zeigen und sich an unsere Abläufe anpassen. Zweitens sind die Finanzen eine Daueraufgabe. Die Steuerkraft der Gemeinde ist schwächer als andernorts, gleichzeitig belasten Sozialausgaben und die Kosten für die Alterspflege das Budget. Es braucht Prioritäten und einen verantwortungsvollen Umgang mit den Mitteln. Drittens sind Vereine ein Pfeiler des Dorflebens – aber nicht jeder fühlt sich im Vereinsleben zuhause. Darum braucht es ergänzend offene Begegnungsräume, die auch jene erreichen, die keinen Vereinsanschluss suchen. So stärken wir das Zusammengehörigkeitsgefühl.
Was für einen Menschen bekommt St.Margrethen, wenn Sie gewählt werden?
Einen gradlinigen, bodenständigen und verlässlichen Menschen. Ich sage, was ich denke, höre den Leuten zu und nehme ihre Anliegen ernst. Durch meinen beruflichen Hintergrund bin ich es gewohnt, Verantwortung zu tragen und klare Entscheidungen zu treffen. Privat stehe ich mitten im Leben – als Vater einer kleinen Tochter und als Sohn eines Vaters, der Unterstützung braucht – und weiss, wie wichtig Zusammenhalt und Generationengerechtigkeit sind.
Sie treten als Parteiloser zur Wahl an. Wo würden Sie sich politisch am ehesten verordnen?
Ich verorte mich nicht im klassischen Links-Rechts-Schema. Ich bin parteilos, weil ich unabhängig entscheiden möchte – ohne Druck von einer Partei. Mir ist wichtig, dass Lösungen für die Bevölkerung funktionieren: Manchmal eher bürgerlich, manchmal eher sozial.
Sie kommen aus St.Margrethen, leben aber schon länger in Zürich. Sehen Sie das als Nachteil?
Nein, ich bin in St.Margrethen aufgewachsen und hier verwurzelt. Gleichzeitig bringt mir mein Leben in Zürich und meine internationale Erfahrung einen erweiterten Blickwinkel. So kenne ich die lokalen Gegebenheiten und habe die Aussensicht, die neue Impulse ermöglicht. Diese Kombination ist für mich eine grosse Stärke.
Was ist Ihre Vision für St.Margrethen in zehn Jahren?
Die Vision «St. Margrethen 2030» wurde mit der Bevölkerung erarbeitet und bildet die Grundlage für die Entwicklung der Gemeinde. Aufbauend darauf sehe ich St.Margrethen in zehn Jahren als finanziell solide aufgestellte Gemeinde mit stabiler oder tiefer Steuerbelastung. Ich wünsche mir ein Dorf, in dem sich alle – jung, alt, alteingesessen oder neu zugezogen – verbunden fühlen. St.Margrethen soll als attraktiver Wohn- und Arbeitsort wahrgenommen werden, mit einer starken lokalen Wirtschaft, lebendigen Vereinen und echtem Gemeinschaftsgefühl.
Sie gaben Ihre Absicht, zu kandidieren, erst spät bekannt. Weshalb und wie wollen Sie die Bevölkerung von sich überzeugen?
Es gibt vier Kandidaten mit spannenden Hintergründen. Persönlich habe ich mich durch keinen vertreten gefühlt – dieses Feedback habe ich auch von Stimmberechtigten erhalten. Viele wünschen sich eine unabhängige Person, die das Dorf kennt und neue Perspektiven mitbringt. Mit meiner Kandidatur biete ich eine zusätzliche Wahlmöglichkeit. Überzeugen will ich durch persönliche Nähe: Ich gehe direkt auf die Menschen zu, verteile Flyer persönlich und höre aufmerksam zu. Für mich zählt der direkte Austausch mehr als ein langer Wahlkampf.
Was war für Sie persönlich ein prägendes Erlebnis, das Ihre Haltung zur Politik beeinflusst hat?
Prägend für mich war die Erfahrung, dass Volksentscheide oft nicht konsequent umgesetzt werden. So wurde die Abzocker-Initiative angenommen, doch die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander. Auch bei der Ausschaffungs-Initiative und dem EWR-Entscheid wurde der Volkswille nicht wirklich respektiert. Internationale Entwicklungen betreffen uns direkt: Trumps Zollpolitik hat Folgen für unsere KMU, und beim russischen Angriff auf die Ukraine wurde zu wenig entschlossen reagiert. Das zeigt mir: Politik darf nicht wegschauen, sie muss Entscheidungen konsequent umsetzen und mutig handeln.
Wie schaffen Sie in Ihrem Alltag einen Ausgleich?
Am besten erhole ich mich im Kreis meiner Familie – die Zeit mit meiner Frau und meiner kleinen Tochter gibt mir Kraft und Erdung. Spaziergänge in der Natur helfen mir, den Kopf frei zu bekommen und neue Energie zu tanken.
Welche Person hat Sie besonders inspiriert und warum?
Besonders inspiriert haben mich meine Eltern. Von meiner Mutter habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen, von meinem Vater, mit wenig zufrieden zu sein und jeden Tag so zu nehmen, wie er kommt. Diese Werte sind für mich auch in der Politik wichtig
Was würden Ihre Freunde über Sie sagen, wenn man sie nach Stärken und Schwächen fragt?
Meine Freunde würden sagen, dass ich ein empathischer und fürsorglicher Mensch bin, mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Beruflich bin ich fakten- und regelorientiert, was mir Klarheit in komplexen Situationen verschafft – manchmal wirke ich dadurch etwas nüchtern. Diese Mischung aus Menschlichkeit im Privaten und Sachlichkeit im Beruflichen prägt mich.
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