Wenn Riegelhäuser und Graffiti sich ergänzen
In Berneck entstanden im Rahmen der «MaiBlüten» zwei Street-Art-Kunstwerke, die das Ortsbild des Dorfes prägen sollen. Eines davon ist von Martin Tiziani.
In Berneck entstanden im Rahmen der «MaiBlüten» zwei Street-Art-Kunstwerke, die das Ortsbild des Dorfes prägen sollen. Eines davon ist von Martin Tiziani.
Berneck Das Dorf Berneck zeichnet sich durch ein historisches und gut erhaltenes Ortsbild aus. Seit der Woche vom 20. April ergänzen zwei Kunstwerke dieses historische Ortsbild. Eines der Kunstwerke, das sich an der Südostfassade des Garagengebäudes an der Obereggerstrasse 5 befindet, stammt von Street-Art-Künstler Martin Tiziani aus St. Gallen. Er selbst ist in Berneck aufgewachsen. «Das Bild musste vom Stil her in den historischen Dorfkern Bernecks passen. Auch als es um die Genehmigung der Denkmalpflege ging, war klar, dass ich hier nicht mit eine riesigen Farbpalette, sondern mit Farben, die sich perfekt in die Umgebung einbetten, arbeiten werde», betont der Kunstschaffende. Eine Genehmigung für so ein Projekt zu bekommen, ist nämlich gar nicht so einfach, weiss Gemeindepräsidentin Shaleen Mastroberardino: «Wir haben regelmässig mit dem kantonalen Ortsbildschutz zu tun. Und auch bei diesem Projekt setzten wir bereits früh auf den Austausch. Denn hier in Berneck darfst man kaum einen Pinselstrich machen, ohne Genehmigung.» Die Gemeindepräsidentin ist jedoch überzeugt, dass die Genehmigung für diese zwei Kunstwerke nur durch den stetigen Austausch, sowie die gute Vorbereitung seitens der Künstler vorangegangen ist. «Bei Martin weiss man einfach, dass wenn er etwas macht, es auch den Anforderungen entspricht, so die Bernecker Gemeindepräsidentin.
Individuelle Interpretationen
Martin Tiziani hat im Vorfeld etwa 50 Wände in Berneck fotografiert, die für ihn in Frage gekommen wären. Die Wahl fiel schlussendlich auf die Wand des Garagengebäudes an der Obereggerstrasse. Dort befindet sich laut Tiziani ein Dreh- und Angelpunkt des Dorfes, der sehr gut für das Bild geeignet ist. «Mit meinem Graffiti in Berneck möchte ich die gelebte Kultur des Weindorfs Berneck sichtbar machen und ihr eine zeitgenössische Bildsprache verleihen.», betont Martin Tiziani. Das Werk verstehe sich als Hommage an den Künstler Walter Jüstrich, dessen Arbeiten in Tizianis persönlichem Umfeld stets präsent waren. «Als Ausgangspunkt diente mir sein Motiv, «sitzender Mann mit Stock», das ich neu interpretiert habe und in einen lokalen Kontext einbette.» Die stilisierten Reben, die aus diesem Werk hervorgehen, ziehen sich bis zum linken Bildrand und «fliessen» über in den kleinsten Rebberg in Berneck sowie zum Haus zum Wein. Der Wein auf dem Tisch und die sitzende Haltung der dargestellten Person sollen für Geselligkeit, Handwerk und die gepflegten Traditionen des Dorfes stehen. «Die Wand, die ich für dieses Projekt gestalten durfte, befindet sich gegenüber der Bushaltestelle 'Berneck Rathaus', welche neu gestaltet wurde. Dort befindet sich auch eine Sitzbank, auf der man in Ruhe das Bild auf sich wirken lassen und darüber diskutieren kann», sagt Tiziani und ergänzt: «Beispielsweise das 'abgeschnittene Gesicht' des Mannes lässt viel Spielraum für individuelle Interpretationen. Ist der Mann müde oder geniesst er einfach die Ruhe, bei einem Glas Wein?»
Dass der Standort und das Kunstwerk gut ankommen, zeigte sich bereits in der Schaffungsphase von Martin Tiziani. «Es gab eine regelrechte Völkerwanderung in Richtung Bushaltestelle», beschreibt die Bernecker Gemeindepräsidentin Shaleen Mastroberardino die Woche, in der das Wandbild geschaffen wurde und das Street-Art-Projekt «Heimat neu gemalt» der Bernecker «MaiBlüten» stattfand. «Es fand immer mal wieder ein Austausch mit interessierten Passantinnen und Passanten statt, die wissen wollten, was denn hier vor sich geht.» Tizianis Kunst zeigt eindrücklich, dass es sich bei Graffiti nicht wie in vielen Köpfen verankert um Schmierereien handelt, sondern sich die Kunstwerke aus der Spraydose auch sehr gut auch in einen denkmalgeschützten Ortskern einbringen können. «Traditionen werden bewahrt, dürfen sich jedoch durch gelebte Kultur weiterentwickeln. Genau diesen fortlaufenden Dialog zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft möchte das Werk sichtbar machen.»
Von Manuela Müller
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