01.10.2026 07:30
Altstätten hat ein Parkplatzproblem – aber faktisch nicht zu wenig Plätze
Aufgrund der geplanten Neugestaltung des Frauenhofplatzes werden 48 Parkfelder in der Gerbergasse und den Hintergärten verschwinden. An der Informationsveranstaltung kamen verschiedene Lösungswege zur Sprache, wie man das Städtli jedoch trotzdem weiterhin gut erreichen kann.
Altstätten Die Themen Parkieren und Verkehr seien immer polarisierend, ist sich Stadtpräsident Ruedi Mattle sicher. «Das Ziel ist es jedoch, miteinander einen gemeinsamen Weg zu finden», betont Mattle zu Beginn der Informationsveranstaltung vom 22. September. Um die Parkplatzkapazitäten des Stadtkerns – von Stossplatz bis zum Friedhof – zu erfassen, wurden im November 2025 Hand- und Videoerhebungen durch das B+S Ingenieur- und Planungsbüro gemacht. Anhand dieser Erhebungen wurde festgestellt, dass die Nachfrage mit dem heutigen Angebot an Parkplätzen gedeckt werden kann, es jedoch eine sehr ungleiche Auslastung der verschiedenen öffentlichen Parkplätze gibt. So sind die Parkfelder im Stadtkern und auf dem Breiteplatz sehr stark ausgelastet. In den angrenzenden Zonen, die von B+S in einen «Gürtel 1» und «Gürtel 2» unterteilt wurden, seien jedoch während der Erhebung im Schnitt rund 95 Parkfelder frei gewesen. Auch in der Parkgarage Rathaus gebe es weitere Kapazitätsreserven, die zusätzlich genutzt werden können.
Erreichbarkeit sichern
Schon jetzt machen sich der Stadtrat und das Planungs- und Ingenieurbüro B+S Gedanken, wie man die Erreichbarkeit trotz der bevorstehenden Neugestaltung des Frauenhofplatzes sichern kann. Daraus entstand ein 40 bis 50 Seiten grosses Konzept, das die Situation heute, aber auch die zukünftige Situation unter die Lupe nimmt. Daraus resultieren sieben Konzeptelemente (siehe Box), welche grundsätzlich getrennt voneinander umgesetzt werden können. Sie unterscheiden sich jedoch stark in der Wirkung, den Kosten und im Zeithorizont der Umsetzung.
Mangelnde Kommunikation?
Bereits im Vorfeld hat die politische Vereinigung a plus in einer Medienmitteilung bemängelt, dass die Unterlagen zum neuen Parkraumkonzept nicht im Vorfeld zugänglich gemacht wurden. «Wie will man da am Orientierungsabend eine fundierte Diskussion führen können?», fragt sich die Vereinigung. Stadtpräsident Ruedi Mattle reagiert auf diese Frage mit Verständnis: «Ich kann nachvollziehen, dass einzelne Personen die Unterlagen gerne bereits vor der Veranstaltung gehabt hätten.» Der Stadtrat erachte es jedoch als sinnvoll, ein komplexeres Thema zuerst im Zusammenhang zu erläutern sowie Fragen zu beantworten und anschliessend die Unterlagen für die vertiefte Auseinandersetzung und die Mitwirkung zur Verfügung zu stellen. «Dieses Vorgehen hat sich meines Erachtens sehr bewährt.» Selbstverständlich schaue man aber auch immer wieder, wo sich der Stadtrat verbessern könne. Am Anlass selbst war unter anderem auch a plus-Vorstandsmitglied Markus Rohner anwesend. Er zeigt sich zufrieden und ist sich sicher, dass mit einem neuen Parkmanagement bereits viele Probleme gelöst werden können: «Es ist eine gute Bestandesaufnahme zur aktuellen Situation im Zentrum von Altstätten.» Das Fazit darin sei eindeutig: «Wir haben grundsätzlich genügend Parkplätze im Stadtzentrum – wir müssen diese nur geschickter nutzen. Und besser kontrollieren.» 48 Stunden Parkplätze in nächster Nähe zur Altstadt (Breite, Hintergärten, Kleinviehhalle, Friedhof/KV) setzen laut Rohner völlig falsche Zeichen und würden Dauerparkierer anziehen.
An der Informationsveranstaltung trafen die verschiedensten Meinungen aufeinander. Gwerbler drückten ihre Befürchtungen vor einem Umsatzeinbruch und weniger Attraktivität des Städtlis durch die fehlenden Parkplätze aus, andere zeigten Verständnis für die Aufhebung der Plätze und liessen die Inputs auf sich wirken. Der Altstätter Stadtrat hofft, dass sich so viele Eindrücke und Inputs auf der Mitwirkungsplattform unter www.mitwirken-altstaetten.ch zusammenfassen und auswerten lassen, damit sich eine Lösung finden lässt, die für alle möglichst stimmig ist.
Die sieben Konzeptelemente im Fokus
Optimierung Bewirtschaftung
Ziel: Verfügbarkeit der Parkfelder erhöhen
Grundsatz: Bei längeren Parkdauern sind längere Wege zumutbar
- Bestimmungsgemässe Nutzung sichern (Kontrollen verstärken)
- Parkplatzreserven ausnutzen
- Maximale Parkdauer im 1. Gürtel reduzieren
- Anpassung Parkierungsreglement (circa 1-3 Jahre)
Förderung Parkhaus Rathaus
Ziel: Auslastung Parkhaus Rathaus im Alltag verbessern
- Bewirtschaftung überprüfen
- Bauliche Massnahmen im Einfahrtsbereich prüfen
- Zeithorizont innerhalb 2 Jahren
Neubau Parkhaus Breite
Ziel: Erhöhung / Kompensierung Parkplatzangebot
- Erstellung von neuem Parkhaus (mind. +75 PP) am Standort Breite
- Machbarkeitsstudie baldmöglichst angehen
- Prozessrisiko gross (einige Interessenkonflikte vorhanden)
- Kosten circa 8-10 Mio. Franken
- Zeithorizont innerhalb 8-12 Jahren
Entwicklung Stossplatz
Ziel: Erhöhung / Kompensierung Parkplatzangebot
- Alternativer Standort zum Ausbau von Kapazitäten mit Fokus auf Langzeitparkierung (+100 PP)
- Prozessrisiko geringer
- Kosten circa 8-10 Mio. Franken
- Zeithorizont innerhalb 8-12 Jahren
Erstellung Parkleitsystem
Ziel: Parksuchverkehr vermindern
- System dynamische Parkleitung
- Restplatzanzeige für relevante Parkierungsanlagen
- Kosten circa 1 Mio. Franken
- Zeithorizont innerhalb 2-3 Jahren
Optimierung Modal Split
Ziel: Förderung von nachhaltigen und platzsparenden Verkehrs-
mitteln
- Erstellung von attraktiven Velo- und Motorradabstellplätzen
- Elektroladestationen für nachhaltige Mobilität anbieten
- Langfristige Sicherstellung guter ÖV-Erschliessung (auch autonome Systeme)
Entlastung Marktgasse
Ziel: Aufwertung der Aufenthalts- und Raumqualität in der Altstadt und Verminderung Suchverkehr
- Reduktion der Parkfelder in der Marktgasse
- Sorgfältige Abstimmung mit der Anzahl und Nutzungsart der übrigen Parkfelder
- Kosten und Zeithorizont abhängig von den effektiv umgesetzten
- Massnahmen und den Ergebnissen der politischen Prozesse
Von Manuela Müller