Wenn die Sonne nicht mehr reicht
Solarboom, Konkurrenzdenken, negative Schlagzeilen und Konkurse. In den vergangenen Jahren wurde die Solarbranche von dunklen Wolken überschattet.
Stürmische Zeiten für die Solarbranche: Durch negative Schlagzeilen wurde die Branche von dunklen Wolken überschattet. Bild: pd
Solarboom, Konkurrenzdenken, negative Schlagzeilen und Konkurse. In den vergangenen Jahren wurde die Solarbranche von dunklen Wolken überschattet.
Region Im Rheintal herrschte Goldgräberstimmung. Einige Unternehmer, die in der Zeit des Solarbooms, der schweizweit zwischen 2019 und 2024 herrschte, das grosse Geld machen wollten, mussten zwischenzeitlich ihre Türen bereits wieder schliessen. Darunter befinden sich auch Rheintaler Firmen, welche in den vergangenen drei Jahren die mediale Aufmerksamkeit auf sich zogen.
Ende 2023 geriet die Clean Energy Industries aus Oberriet in die Schlagzeilen: Unter anderem soll sie Geld per Vorkasse von Kunden erhalten haben, die dann vergebens auf die Installation der Photovoltaikanlagen durch die Oberrieter Firma gewartet haben. Das SRF berichtete damals zudem, Kundengelder seien vom Geschäftsführer für private Bedürfnisse verwendet worden. Auch die Rezensionen bei Google liessen nichts Gutes vermuten: Vier von vier Bewertungen wurden mit nur einem Stern abgegeben. Die Firma aus Oberriet eröffnete im Herbst 2023 den Konkurs. Ende 2024 folgte die Viva Solar AG aus Balgach mit dem Konkurs der Firma. Auch sie fiel medial mit zwar bestellten, aber nie gelieferten Photovoltaikanlagen, unbezahlten Löhnen und dubiosen Managementpraktiken auf, wie die Unia-Zeitung «Work» berichtete. Laut «Work» liess es sich der Viva-Solar-Chef gut gehen, gab Geld für Luxusprodukte aus und doch habe seine Firma einen riesigen Schuldenberg angehäuft.
Dem ehemaligen Arbeitgeber des Viva-Solar-Chefs – der Mons Solar AG in Sennwald – drohte das selbe Schicksal. Nach negativen Schlagzeilen über Entlassungen der Mitarbeiter und ausstehenden Lohnzahlungen mussten auch sie im August 2025 den Konkurs anmelden.
In diesem Jahr wurden zudem bei zwei Firmen Konkurse eröffnet. Zum einen wurde bei der Gama AG Photovoltaik aus Au Ende Januar das Konkursverfahren gestartet. Die Firma, die in Rebstein startete, zog erst im September 2024 noch an ihren neuen Standort in Au. Sie fiel in der Region vor allem durch ihre Werbung im Kybunpark während der Heimspiele des FC St. Gallen auf – die im vergangenen Jahr jeweils durchschnittlich 18 000 Fans ins Stadion lockten. Dazu kam eine auffällige Tesla-Fahrzeugflotte, mit der die Mitarbeitenden unterwegs waren. Die zweite Firma, die kürzlich ihren Schweizer Standort schliessen musste, ist die Ökovolt Schweiz AG, die ihren Firmenstandort in Au hatte. Ihr Konkursverfahren wurde Ende April bei der Regionalstelle Buchs eröffnet.
Der Ausbau der Photovoltaik erlebte laut David Stickelberger vom Branchenverband Swissolar in der ganzen Schweiz zwischen 2019 und 2024 einen Boom, mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 50 Prozent im Mittel dieser Jahre. «Es ist normal, dass nach einer solchen Periode eine Konsolidierung folgt», ergänzt Stickelberger. Die Gründe dafür lägen in den leicht gesunkenen Strompreisen, einem veränderten politischen und medialen Fokus, sowie in veränderten politischen Rahmenbedingungen.
Bei den Konkursen der Photovoltaikfirmen im Rheintal ist nicht nur viel Geld im Spiel, sondern auch zahlreiche Mitarbeitende, die nach der Schliessung der Firma ohne Job dastehen. Die Unia betreute oder betreut zwei der fünf Firmen noch heute, beim Konkurs- und Insolvenzverfahren. Eine davon ist Monsolar, bei der 17 Mitarbeitende involviert sind. «Bei der Firma Monsolar aus Sennwald hat ein Grossteil der 17 Mitarbeitenden, die wir unterstützen, erst die erste Teilzahlung – sprich 60 oder 70 Prozent der ausstehenden Lohnzahlungen – erhalten», gibt Lukas Auer, Mitarbeiter des Rechtsdienstes der Unia Auskunft. Bei der zweiten Firma – der Viva Solar, wurden fünf Mitarbeitende betreut. Zwei davon haben in der vergangenen Woche die Restzahlung bekommen. Drei weitere verbleiben noch immer mit einer Teilzahlung von 60 bis 70 Prozent.
Nach einigen Klicks wird ausserdem klar: Nicht jeder, der mal Teil einer Geschäftsführung in der Photovoltaikbranche im Rheintal war, hat sich nach einem Konkurs aus der Branche zurückgezogen. So ist beispielsweise ein Mitarbeiter, der Teil der früheren Führungsetage der Gama AG Photovoltaik AG war, nun in einer neuen Photovoltaikfirma tätig. Das gleiche Bild zeigt sich bei der Geschäftsführung der ehemaligen Clean Energy Industries. Und auch der Viva-Solar-Chef ist ein gutes Beispiel dafür, dass es bereits bei den ersten Photovoltaik-Unternehmen, die später Konkurs anmelden mussten, Mitarbeiter gab, die nach der Pleite der einen Firma gleich einen neuen Versuch in der Photovoltaikbranche gewagt haben.
Von den Firmen, die in den letzten Jahren den Konkurs anmeldeten, war lediglich die Viva Solar kein Mitglied des Branchenverbandes Swissolar. Die Monsolar AG wurde aus dem Label «Die Solarprofis» des Branchenverbandes ausgeschlossen und verzichtete laut Stickelberger anschliessend auf die Verbandsmitgliedschaft. Die Mitgliedschaft sei auch Firmen offen, die neu in den Markt kommen. «Private Bauherrschaften sollten bei der Auswahl der Anbieter primär auf das Label 'Die Solarprofis' achten», rät Stickelberger seitens des Branchenverbandes. Um die Bezeichnung «Die Solarprofis» nutzen zu können, müssen Firmen laut dem Verband Erfahrungen und Ausbildungen bei Swissolar vorweisen und sich regelmässig weiterbilden.
Von Manuela Müller
Zwei der Photovoltaikanbieter im Rheintal, die das Label «Die Solarprofis» tragen, sind die Swiss Photovoltaik GmbH in Kriessern und die Kobler Energie AG in Oberriet. Beide Firmen haben bereits über 15 Jahre Erfahrung mit Photovoltaik und haben bisher etliche Anlagen in der Region umgesetzt. Die Geschäftsführer beider Firmen sind sich einig, dass die Konkurse in der Region zu Verunsicherung bei der Kundschaft führen. «Es wird mehr nachgefragt und man merkt, dass Kundinnen und Kunden sich versichern wollen, dass sie einem seriösen Unternehmen den Auftrag erteilen», erklärt Willy Langenegger, Inhaber und Geschäftsführer der Swiss Photovoltaik GmbH. Auch bei der Kobler Energie AG wird seitens der Kundschaft mehr nachgehakt: «Der Schaden, der angerichtet wurde, ist spürbar. Vor allem wenn man an einer Ausstellung als Erstes gefragt wird, wie lange es unsere Firma schon gibt», erläutert Andreas Kobler, Geschäftsinhaber der Kobler Energie AG. Wenn diese Frage aufkommt, kann er mit jahrelanger Erfahrung und einem breit abgestützten Dienstleistungsangebot zukünftige Kunden von seinem Geschäft überzeugen. Beide Firmeninhaber sind sich auch beim Wachstum ihrer Unternehmen einig: Lieber ein stetiges und nachhaltiges Wachstum, als zu schnell in die Höhe zu schiessen. «Der Boom vor ein paar Jahren hat den ein oder anderen dazu verleitet, viel schneller zu wachsen», so Kobler. Zwar konnte sein Unternehmen in dieser Zeit nicht alle Aufträge entgegennehmen, jedoch war es dem Inhaber wichtig, nicht personell extrem aufzustocken, da ein Boom auch immer ein Ende habe. Personell hatten beide Unternehmen in den vergangenen Jahren Anfragen von Mitarbeitenden, die durch den Konkurs ihren Job verloren haben. «Wir schauen uns gerne Fachleute an, die gute Arbeit leisten», betont Langenegger. Denn oftmals läge ein Konkurs nicht an der Leistung der Mitarbeitenden, sondern an einer Misswirtschaft vom Management.
«Es ist wichtig, mit der Firma nachhaltig zu wachsen und die Struktur dementsprechend anzupassen», erläutert Andreas Kobler. Dieser Aussage schliesst sich Willy Langenegger an: «Man muss nicht jeden Trend wie beispielsweise Dumpingofferten mitmachen.» Wichtiger sei vor allem, eine langfristige Kundschaft aufzubauen und vernünftig zu wirtschaften. Auch sei es laut beiden Geschäftsinhabern wichtig, selbst von der Photovoltaik überzeugt zu sein.
Nun gilt es für die Unternehmen, die noch immer auf dem Markt sind, die Branche wieder ins richtige Licht zu rücken. Sowohl bei der Kobler Energie AG, als auch bei der Swiss Photovoltaik GmbH gingen in der Vergangenheit Anfragen ein, ob sie zukünftig neuer Ansprechpartner sein können, die noch unfertige Photovoltaikanlage fertigzustellen oder den Service für die Anlagen, welche von Unternehmen erstellt wurden, die Konkurs anmelden mussten, zu übernehmen. Denn auch zu Zeiten, in denen den Geschäftsinhabern gesagt wurde, dass Photovoltaik keinen Bestand haben werde, haben sie mit ihrer Arbeit überzeugt.
mm
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