Wein drucken wie anno dazumal
Im Rheintal stehen mehrere Torkelbäume, die es zulassen, den Wein wie anno dazumal herzustellen. Einer dieser Torkelbäume wurde am vergangenen Wochenende erneut in Betrieb genommen.
Im Rheintal stehen mehrere Torkelbäume, die es zulassen, den Wein wie anno dazumal herzustellen. Einer dieser Torkelbäume wurde am vergangenen Wochenende erneut in Betrieb genommen.
Berneck An der Husenstrasse 5 war am vergangenen Samstag viel los. Zahlreiche Schaulustige liefen oder fuhren abends zum schmucken Riegelhaus der Familie Laager, um den Prozess des Weindrucks mit dem Torkelbaum mitzuerleben. Für die Torkelmannschaft selbst fing der Tag bereits um 9.30 Uhr mit dem ersten Druck der Trauben, die bereits seit dreieinhalb Wochen in Gär-Bütten vorbereitet wurden, an. Die 1'011 Kilogramm Blauburgundertrauben, die verarbeitet wurden, nahm man bereits am 8. September während der Wimmet ab. Für den Druck arbeitete die gesamte Torkelmannschaft zusammen und betätigte den 385-jährigen Torkelbaum mittels der Spindel. Bei diesem Vorgang wird viel Präzision und Teamarbeit gefordert, denn es soll nicht nur so viel Saft wie möglich aus den Trauben gewonnen werden, sondern auch niemand dem Sicherheitsrisiko des tonnenschweren Steines ausgeliefert sein, der am einen Ende des Torkelbaums mittels Spindel zum Schweben gebracht werden kann. Durch die Hebelwirkung des Torkelbaums wird Druck auf die Trauben ausgeübt, die mit dem Vorgehen ausgepresst werden. Um 14 Uhr wurde der Prozess nochmals wiederholt und die Trauben neu aufgeschüttet.
Organisiert wurde der Anlass am Samstag von Jakob Schegg. Er war es auch, der zusammen mit Felix
Indermaur die Torkelmeister-Ausbildung ins Leben gerufen hat. Auch am Samstagabend hat sich wieder ein neuer Torkelmeister bewährt: David Schmidheiny wurde offiziell nach dem Druck am Torkelbaum durch den Zeremonienmeister nach dem Torkel-Reglement von 1852 am uralten Schwörstab des Hofes Bernang vereidigt. «Mir ist es wichtig, dass man das, was mit den Händen greifbar ist und hier rumsteht, auch irgendwie für die Zukunft erhalten bleibt. Deshalb ist für mich das Begreifen das Schönste an dieser Tradition», erklärt der zweite Torkelmeister Indermaur. Er selbst hat seine Ausbildung vor 57 Jahren abgeschlossen und konnte damals regelmässig mit dem Torkelbaum arbeiten. «Heutzutage ist es fast nicht nicht mehr möglich, dass man einem Torkelbaum arbeiten kann», erklärt Indermaur. Bei den beiden Torkelbäumen, die es in Berneck gibt, seien alle Kelterbetriebe wie Tobias Schmid & Sohn, Wetli Weine, Maienhalde und Wein Berneck beteiligt. Zudem stimmt es Indermaur positiv, dass viele, auch junge Menschen hellhörig werden, wenn sie Innovation mit Tradition verbinden können.
Für die rund 750 Liter Jungwein ging es nach der dritten und letzten Pressung um 19 Uhr am Sonntag weiter zum Weingut Tobias Schmid. Dort wird er zusammen mit dem vor Ort produzierten Blauburgunder gelagert, bevor es dann klassisch zur Abfüllung der Flaschen geht. Wer also demnächst einen Blauburgunder von Tobias Schmid trinken wird, erhält somit auch ein Stückchen Bernecker Weingeschichte im Glas.
Von Manuela Müller
Lade Fotos..